Freitag, September 11, 2026
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Matthias Jaissle bei Newcastle United: Wie seine Al-Ahli-Entwicklung das taktische Gesicht der Magpies verändern könnte

Matthias Jaissle kommt nach drei Spielzeiten bei Al Ahli zu Newcastle United. Diese Datenanalyse untersucht seine taktische Entwicklung in Saudi-Arabien und vergleicht sie mit der Entwicklung von Eddie Howes Newcastle. Was kann Jaissles Arbeit bei Al Ahli über seinen langfristigen Auftrag bei den Magpies verraten?

Wer ist Matthias Jaissle?

Nach fast fünf Jahren an der Seitenlinie von St. James’ Park hat Eddie Howe seinen Posten als Trainer von Newcastle United verlassen. Damit wurde der Weg für Matthias Jaissle frei, der von Al Ahli aus der Saudi Pro League in die Premier League wechselt.

Für den inzwischen 38-jährigen deutschen Trainer ist Newcastle die vierte Station im professionellen Vereinsfußball.

Jaissle durchlief die Fußballschule von Red Bull. 2021 übernahm er den FC Liefering, bevor er von 2021 bis 2023 Red Bull Salzburg trainierte. Anschließend verließ er das etablierte Fußballsystem des österreichischen Energiekonzerns und nahm mit Al Ahli eine völlig andere Herausforderung außerhalb des europäischen Rampenlichts an. Al Ahli war zuvor in die Saudi Pro League aufgestiegen und startete dort in die Saison 2023/24.

Bei Red Bull Salzburg war Jaissles Spielweise eine Variante dessen, was man typischerweise mit Red-Bull-Fußball verbindet.

Aggressivität, Gegenpressing und Vertikalität waren zentrale Bestandteile. Gleichzeitig zeichnete sich seine Mannschaft durch besonders ausgearbeitete Angriffsmuster und Positionsrotationen in den verschiedenen Ballbesitzphasen aus.

Rotationen und Gegenbewegungen gehörten zum normalen Bild. Jaissles Mannschaft versuchte, den Gegner durch diese Bewegungen zu manipulieren und neue Wege für den Raumgewinn und die Progression zu öffnen.

In den vergangenen drei Spielzeiten hat Jaissle sein Projekt bei Al Ahli taktisch deutlich weiterentwickelt. Gleichzeitig hat sich auch Newcastle unter Eddie Howe verändert.

Diese Datenanalyse untersucht die Entwicklung beider Mannschaften über die vergangenen drei Spielzeiten. Dabei werden die taktischen und spielstilistischen Entwicklungen von Al Ahli unter Matthias Jaissle und Newcastle United unter Eddie Howe miteinander verglichen.

Das Ziel ist herauszuarbeiten, wie Jaissle seine Mannschaft in Newcastle möglicherweise neu aufbauen wird.

Denn genau darin besteht seine Aufgabe.

Vor einem Jahr verließ Alexander Isak St. James’ Park – ein Abgang, den der Verein offensichtlich nicht gewollt hatte.

In diesem Sommer folgten weitere etablierte Spieler des Newcastle-Kaders. Anthony Gordon, Sandro Tonali und Bruno Guimarães haben den Verein verlassen. Auch die Zukunft von Lewis Hall ist weiterhin ungewiss, sofern die aktuellen Berichte zutreffen.

Von Jaissle wird nicht erwartet, dass er Newcastle unmittelbar zum Titelkandidaten in der Premier League macht.

Das Projekt wird Zeit benötigen.

Für diese Analyse wurden Wyscout-Daten aus den vergangenen drei Spielzeiten verwendet. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie sich Newcastle und Al Ahli unter ihren jeweiligen Trainern taktisch und spielstilistisch entwickelt haben – jeweils im Vergleich zu den anderen Mannschaften ihrer Liga.


Matthias Jaissle bei Al Ahli und Eddie Howe bei Newcastle United: Zwei unterschiedliche taktische Entwicklungen 2023/24–2025/26

Für die erste Visualisierung wurden die Rohdaten von Wyscout in fünf übergeordnete Leistungsbereiche zusammengefasst.

Für Al Ahli und Newcastle United wurden anschließend Perzentil-Ränge berechnet und mit den übrigen Mannschaften ihrer jeweiligen Liga verglichen.

Premier-League-Mannschaften wurden ausschließlich mit anderen Premier-League-Mannschaften der jeweiligen Saison verglichen.

Die Teams der Saudi Pro League wurden entsprechend ausschließlich mit anderen Mannschaften der Saudi Pro League verglichen.

Ein hoher Wert bedeutet dabei, dass eine Mannschaft in diesem bestimmten Bereich im Vergleich zu den anderen Teams ihrer Liga besonders stark abschneidet.

Matthias Jaissle – Vom Red-Bull-Fußball zu Newcastle United

Al Ahli und Newcastle United: Perzentil-Ränge im Ligavergleich 2023/24–2025/26

Al Ahli: Vom Ballbesitz zur Vertikalität

Bei Al Ahli war die größte Veränderung im Bereich Ballbesitz und Spielaufbau zu beobachten.

Unter Jaissle entwickelte sich Al Ahli von einer Mannschaft, die stark auf Ballbesitz setzte und ihre Angriffe über eine hohe Passanzahl und lange Ballbesitzphasen aufbaute, zu einer der Mannschaften der Saudi Pro League, die am wenigsten auf ein hohes Spielaufbauvolumen angewiesen war.

Gleichzeitig blieben die Werte bei Progression und Chancenkreation relativ stark.

Auch die Angriffseffizienz blieb im Vergleich zu den anderen Mannschaften der Saudi Pro League konstant auf einem sehr hohen Niveau.

Damit veränderte Jaissle den Spielstil von Al Ahli deutlich.

In der Saison 2023/24 war die Mannschaft stärker darauf ausgerichtet, Spiele über Ballbesitz und kontrollierte Angriffe zu dominieren.

2025/26 war Al Ahli dagegen wesentlich vertikaler und direkter.

Entscheidend ist jedoch:

Die Mannschaft verlor dadurch nicht ihre Effizienz bei der Chancenkreation und beim Toreschießen.

Progression statt sterilem Ballbesitz

Genau diese Entwicklung passt zu dem, was man von einem Trainer aus der Red-Bull-Schule erwarten kann.

Jaissle scheint Progression höher zu bewerten als reinen Ballbesitz.

Es geht nicht darum, den Ball möglichst lange zu besitzen.

Es geht darum, mit dem Ball einen Vorteil zu erzeugen.

Diese Entwicklung könnte auch für Newcastle von großer Bedeutung sein.

Jaissle hat bereits gezeigt, dass er eine Mannschaft in eine aggressivere Richtung entwickeln kann, ohne dabei die Effizienz bei der Chancenkreation und beim Toreschießen zu verlieren.


Newcastle United: Ballbesitz stabil, Effizienz rückläufig

Newcastle blieb im Bereich Ballbesitz und Spielaufbau über die vergangenen drei Spielzeiten im Vergleich zu anderen Premier-League-Mannschaften relativ konstant.

Anders entwickelte sich jedoch die Mannschaft bei Progression und Chancenkreation.

Auch die Angriffseffizienz nahm ab.

Damit ergibt sich ein interessanter Kontrast zwischen den beiden Projekten.

Während Jaissle Al Ahli zunehmend vertikaler und direkter machte, verlor Newcastle einen Teil seiner Effektivität bei der Umsetzung von Ballbesitz und Progression in konkrete Chancen und Tore.

Genau hier könnte eine der wichtigsten Aufgaben von Jaissle liegen.


Al Ahli wurde defensiv effizienter

Auch die Entwicklung gegen den Ball ist interessant.

Al Ahli wurde während Jaissles Amtszeit weniger aktiv gegen den Ball.

Gleichzeitig wurde die Mannschaft defensiv zunehmend stabiler.

Die Werte im Bereich Defensive Outcome verbesserten sich kontinuierlich.

Das bedeutet:

Die defensive Verbesserung von Al Ahli war weniger auf ein höheres Volumen an Pressingaktionen zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine höhere Effizienz der defensiven Aktionen.

Al Ahli versuchte in der dritten Saison unter Jaissle nicht unbedingt häufiger den Ball zurückzugewinnen als in der ersten.

Die Mannschaft wurde vielmehr besser darin, die Aktionen, für die sie sich entschied, effektiv auszuführen.

Kurz gesagt:

Al Ahli lernte, intelligenter statt einfach nur härter zu arbeiten.


Kontrolle ohne Ballbesitzdominanz

Die Daten aus Ballbesitz und Defensive weisen auf eine übergeordnete taktische Entwicklung bei Al Ahli hin.

Die Mannschaft musste weder das Spielfeld territorial noch den Ballbesitz dominieren, um ein Spiel zu kontrollieren.

Das ist ein wichtiger taktischer Punkt.

Kontrolle bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Mannschaft 60 oder 70 Prozent Ballbesitz benötigt.

Kontrolle kann auch entstehen, wenn eine Mannschaft:

  • Räume kontrolliert,
  • gegnerische Angriffe lenkt,
  • Passwege schließt,
  • gezielt presst,
  • nach Ballgewinn schnell vertikal spielt.

Obwohl die Pressingaktivität von 2023/24 bis 2025/26 zurückging, blieb Al Ahli im Bereich Pressing und Defensivaktivität über dem Durchschnitt der Saudi Pro League.

Auch hier bleibt die Red-Bull-DNA erkennbar.


Newcastle: Defensivaktivität unterdurchschnittlich

Während des gleichen Zeitraums lag Newcastle bei Pressing und Defensivaktivität kontinuierlich unter dem Durchschnitt der Premier League.

Gleichzeitig verschlechterten sich die defensiven Ergebnisse zunehmend.

Für Jaissle bedeutet die Aufgabe deshalb nicht einfach, Newcastle dazu zu bringen, häufiger zu pressen.

Das Ziel muss vielmehr sein, dass die Mannschaft ihre defensiven Aktionen wirkungsvoller gestaltet.

Jaissle hat bei Al Ahli gezeigt, dass eine Mannschaft schwer zu überspielen sein kann, ohne bei allen defensiven Kennzahlen besonders hohe Werte beim Volumen zu benötigen.

Bei Newcastle wird die Herausforderung darin bestehen, diese Effizienz gegen den Ball zu reproduzieren.


Was trieb die Veränderung bei Al Ahli unter Matthias Jaissle an?

Die bisherige Analyse zeigt, wie sich Al Ahli und Newcastle über drei Spielzeiten in größeren Kategorien verändert haben.

Nun geht es um die konkreten Kennzahlen, die diese Veränderungen verursacht haben.

Abbildung 2 untersucht deshalb die Entwicklung der ligabezogenen Perzentil-Ränge von Al Ahli zwischen 2023/24 und 2025/26.

Dabei werden einzelne Wyscout-Kennzahlen betrachtet und nicht mehr die zuvor gebildeten übergeordneten Leistungsbereiche.

Die Nulllinie in der Mitte dient als Referenzpunkt.

Balken nach rechts zeigen eine Verbesserung von Al Ahli.

Dabei muss berücksichtigt werden, ob bei der jeweiligen Kennzahl ein höherer oder niedrigerer Wert besser ist.

Bei Kennzahlen wie xG pro gegnerischem Schuss ist beispielsweise ein niedrigerer Wert besser.

Bei Kennzahlen wie xG pro eigenem Schuss ist dagegen ein höherer Wert besser.

Balken nach links zeigen entsprechend eine negative Entwicklung.

Defensive Effizienz und Schussqualität verbesserten sich

Die größten Verbesserungen bei Al Ahli unter Jaissle lagen in den Bereichen defensive Effizienz und Schussqualität.

Im Vergleich zu anderen Mannschaften der Saudi Pro League ließ Al Ahli 2025/26 deutlich weniger hochwertige Torchancen zu als noch 2023/24.

Gleichzeitig wurde die Offensive effizienter, was die Qualität der eigenen Abschlüsse betrifft.

Das ist ein besonders interessanter Punkt.

Die Mannschaft produzierte also nicht einfach nur mehr Aktionen.

Sie wurde besser darin, die Qualität der eigenen Chancen zu erhöhen und gleichzeitig die Qualität gegnerischer Chancen zu reduzieren.


Defensive Zweikämpfe als Schwachpunkt

Allerdings zeigt die Entwicklung deutlich mehr negative als positive Bewegungen.

Der größte Rückgang war bei der Erfolgsquote defensiver Zweikämpfe zu erkennen.

Auch das Volumen der defensiven Zweikämpfe entwickelte sich negativ.

Das bedeutet, dass die defensive Verbesserung von Al Ahli nicht einfach durch bessere Werte in sämtlichen Defensivkategorien erklärt werden kann.

Vielmehr scheint die Mannschaft ihre defensive Struktur und die Qualität ihrer Entscheidungen verbessert zu haben.


Weniger Ballbesitz, mehr Direktheit

Auch im Ballbesitz bestätigt die Entwicklung das zuvor beschriebene Bild.

Bis 2025/26 war Jaissles Mannschaft deutlich weniger ballbesitzdominant.

Auch die Passgenauigkeit ging zurück.

Das passt zu einer direkteren und aggressiveren Spielweise.

Al Ahli gab einen Teil der Kontrolle über den Ball ab, ohne zwangsläufig die Kontrolle über das Spiel zu verlieren.

Das ist möglicherweise eine der wichtigsten Erkenntnisse aus Jaissles Entwicklung bei Al Ahli.


Was trieb die Veränderung bei Newcastle United unter Eddie Howe an?

Auch für Newcastle wurden die Veränderungen anhand einzelner Wyscout-Kennzahlen untersucht.

Die positivsten Entwicklungen waren bei Newcastle mit dem Ball zu beobachten.

Besonders deutlich stiegen die Werte bei progressiven Pässen und Pässen ins letzte Drittel.

Newcastle legte über die drei Spielzeiten also deutlich mehr Wert darauf, den Ball nach vorne zu bewegen.

Gleichzeitig verbesserte sich die Sicherheit im Ballbesitz.

Die Mannschaft reduzierte ihre Ballverluste.

Auf den ersten Blick klingt das positiv.

Doch genau hier liegt das Problem.


Newcastle kam besser ins letzte Drittel – machte dort aber zu wenig daraus

Newcastle konnte 2025/26 das letzte Drittel besser erreichen als noch 2023/24.

Doch entscheidend ist nicht nur, wie man ins letzte Drittel kommt.

Entscheidend ist, was danach passiert.

Hier zeigte sich eine große Diskrepanz zwischen Prozess und Ergebnis.

Kennzahlen wie:

  • xG
  • xG pro Schuss
  • Schnittstellenpässe
  • Schüsse
  • Schüsse aufs Tor
  • Tore

entwickelten sich negativ.

Gleichzeitig ließ Newcastle hochwertigere gegnerische Chancen zu und kassierte mehr Gegentore.

Damit entstand ein bemerkenswerter Gegensatz zu Jaissles Al Ahli.

Newcastle wurde mit dem Ball sauberer und effektiver, insbesondere bei der Progression.

Diese Verbesserung konnte jedoch nicht in bessere Kontrolle und bessere Ergebnisse übersetzt werden.


Fazit: Die Mission von Matthias Jaissle bei Newcastle United

Die Aufgabe von Matthias Jaissle bei Newcastle besteht darin, die Effizienz, die er während seiner dreijährigen Entwicklung bei Al Ahli aufgebaut hat, auf eine Mannschaft zu übertragen, die unter Eddie Howe zwar Fortschritte bei Ballprogression und Ballkontrolle gemacht hat, gleichzeitig aber Probleme in beiden Strafräumen zeigte.

In seiner ersten Saison wird Jaissle versuchen, die Fähigkeit von Newcastle zu nutzen, das letzte Drittel zu erreichen.

Der nächste Schritt besteht darin, daraus hochwertigere Torchancen und mehr Kontrolle über Spiele zu entwickeln.

Gleichzeitig muss er die defensive Struktur verbessern und Newcastle schwerer zu überspielen machen.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Newcastle einfach mehr defensive Aktionen durchführen muss.

Vielmehr muss die Mannschaft lernen, intelligenter gegen den Ball zu arbeiten.

Langfristig – sofern Jaissle die notwendige Zeit erhält – dürfte sein Ziel darin bestehen, Newcastle im Angriff vertikaler und effizienter zu machen.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, beide Aspekte miteinander zu verbinden.

Newcastle soll den Ball aggressiv nach vorne bringen können und gleichzeitig kontrollieren, was passiert, wenn die Mannschaft den Ball nicht besitzt.

Genau darin könnte die taktische Kernidee von Matthias Jaissle bei Newcastle United liegen:

Aggressive Progression mit dem Ball und intelligente Kontrolle ohne Ball.

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